Es herrscht Goldgräberstimmung. Zehntausende Programmierer aus allen Nationen sind aufgebrochen, um im wilden App-Store-Land ihr Glück zu suchen. Ganz wie im Westen Amerikas vor 150 Jahren suchen die Abenteurer nicht nur Reichtum, sondern auch Ruhm und Ehre.

Bis zur Eröffnung von Apples App Store 2008 war die Softwareindustrie geprägt von wenigen großen Unternehmen, die ihre Produkte über undurchschaubare Distributionsabläufe und womöglich gar in Form physischer Datenträger an ihre Kunden auslieferten. Die Prozesse waren langsam und träge.

Seit dem Aufkommen von Breitband-Internet konnten zwar auch unabhängige Entwickler ihre Produkte an den Mann bringen. Allerdings waren diese Indie-Developer eher die Guerilla-Einheit der Softwareindustrie. Kleine Anbieter kämpften von jeher mit dem Problem zu geringer Aufmerksamkeit in den Tiefen des World Wide Web.

Heute ist das anders: Jeder kann seine kreativen Ideen verwirklichen. Jeder findet innerhalb von Stunden ein unendlich großes Publikum für seine Software. Alle hoffen, reich zu werden. Doch noch etwas hat sich nicht verändert seit dem großen Goldrausch: Die Glücksuchenden sind schlecht informiert und haben überhöhte Erwartungen. Denn sie haben über die Erfolgsgeschichten ihrer Mitstreiter gelesen. In Wahrheit überschätzen viele ihre Fähigkeiten und enden bettelarm in den Straßen der virtuellen Goldgräber-Städte. Sie verkaufen ihre Apps schlecht oder gar nicht. Investieren viel Zeit und oft auch Geld, um am Ende als Verlierer aus dem Kampf um die Gunst der User auszusteigen.

Ich schreibe das nicht, um Sie zu verunsichern. Dieses Buch soll Ihnen zur Seite stehen auf Ihrem Weg durch die Weiten der Prärie, während Sie Ihre Pläne schmieden, bei der Ankunft im Goldgräberlager, wenn Sie Ihre Werkzeuge auswählen und bei der Rückkehr von Ihrem Claim, wenn Sie endlich so weit sind, das zu verkaufen, was Sie sich mühsam erarbeitet haben.

Eines wird Ihnen dieses Buch nicht erklären: wie Sie lernen, gut zu programmieren. Dafür gibt es andere, sehr hilfreiche Anleitungen. Eine kleine Auswahl finden Sie am Ende dieses Buchs in der Literaturliste. Auch wenn es sicherlich gute und schlechte Programmierer gibt, stehen die meisten in App-Stores vor einem ganz anderen Problem. Die Aussicht auf schnelle Gewinne verblendet das strategische Denken: Viele Anbieter werfen ihre App ohne Marketing-Konzept auf den Markt. Sie übersehen dabei, dass traditionelle ökonomische Erkenntnisse auch auf einem neuartigen Marktplatz wie dem App-Store gültig sind.

Dieses Buch untersucht die Wirkung dieser traditionellen Mechanismen, neuerer Theorien, die für Informationsgüter Gültigkeit haben, und Phänomene, die nur in geschlossenen App-Stores auftreten. Schritt für Schritt nähern wir uns den Informationen an, die für das Vermarktungskonzept Ihrer App am wichtigsten sind. Keine Sorge, ich verschone Sie mit langweiligen Finanzvokabeln und werde stattdessen alle Inhalte durch Beispiele so verständlich wie möglich illustrieren.

Die App-Store-Ökonomie ist noch jung, daher werden sich die genauen Gegebenheiten in den einzelnen Plattformen oft im selben Moment verändern, in dem diese Zeilen geschrieben werden. Daher versuche ich, die Kapitel dieses Buchs allgemein zu halten. Zurzeit sind App-Stores für mobile Anwendungen am beliebtesten. Dies, so sind sich die Kenner einig, wird sich aber noch ändern. Der Vertrieb von Software über standardisierte Online-Marktplätze ist die Distributionsform der Zukunft. Haben Sie also keine Scheu, die Beispiele und Tipps auf jene Plattform umzulegen, für die Sie gerade programmieren.